Aktuelle Artikelveröffentlichung in “Der Anästhesist”

Dr. M. Weinert D.E.S.A., H. Mayer, E. Zojer

Zusammenfassung

Das gezielte Training von Kommunikation in der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung blieb bislang nahezu aus. Im Gesundheitswesen ist gute Kommunikationsfähigkeit eine notwendige und wichtige Schlüsselqualifikation, die maßgeblich zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit und einer gelungenen Arzt-Patient-Beziehung beiträgt. Sie ist entscheidend beim Management von Zwischenfällen und bei der Vermeidung oder Reduzierung von juristischen Konsequenzen. Deshalb sollte eine gezielte Auseinandersetzung mit dem Thema „Kommunikation“ angestrebt werden. In anderen Risikobranchen werden hierzu seit Langem spezifische Kommunikationstrainings durchgeführt. In der Medizin gibt es erste Ansätze, „weiche Faktoren“, beispielsweise im Stimulationstraining zu lehren und zu üben. Systematisches Kommunikationstraining gibt es hierzu so gut wie nicht. Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren; hierbei spielen nonverbale Hinweise wie Gesten, Mimik, Haltung und Tonfall eine wichtige Rolle. Misskommunikation, die in der Folge zu unproduktivem Verhalten führt, ist hingegen häufig und die Ursache dafür nicht immer auf den ersten Blick erfassbar. Der Beitrag gibt einen Überblick über die Kommunikationsmodelle von Shannon und Weaver, Watzlawick und Schulz von Thun. Er zeigt deren Grenzen auf, um dann das Kommunikationsmodell „Process Communication Model®“ (PCM) vorzustellen. Anhand von realen Beispielen wird gezeigt, wie mit diesem „Werkzeug“ alltägliche klinische Kommunikationsprozesse aus einem systematischen Blickwinkel betrachtet und analysiert werden können. Menschen haben unterschiedliche psychische Bedürfnisse – werden diese nicht erfüllt, äußert sich das in individuellem Stressverhalten, das sich in 3 Schweregrade (Antreiberverhalten, Maskenverhalten und Verzweiflung) unterteilen lässt und in einer vorhersagbaren Sequenz abläuft. Darüber hinaus wird gezeigt, wie (auf Basis des Modells) erfolgreiche Kommunikation hergestellt und unproduktivem Verhalten in Stresssituationen adäquat begegnet werden kann. Aufgrund der Bedeutung von Kommunikation in allen Bereichen der medizinischen Arbeitswelt sollte der Fokus auf weiteren Studien liegen, die den Einfluss von geschulter Kommunikation bzw. die Wirkungsweise von Kommunikation als „Intervention“ auf Patienten-Outcome, Komplikationen und das erfolgreiche Management von Notfällen zeigen. Weiter zum kompletten Artikel